                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                   ڿ     Freys Tier       ڿ                   
                                      
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
                             Teil 1                             
                                                    
                                                                
Sie riefen mich  so frh  an, da ich  gerade nicht  mehr emprt
sein konnte mitten  in der  Nacht geweckt  zu werden,  aber auch
nicht mit  Leichtigkeit  aus  dem  Bett kam.  Genau  eine  halbe
Stunde vor meiner normalen  Aufstehzeit halb acht  klingelte das
Vidfon. Schlfrig  tastete  ich  nach  dem  Apparat  auf  meinem
Nachttisch und lies den  Deckel aufschnappen, womit  ich abnahm.
Das winzige Bild von  Professor Homann flackerte auf  und sobald
er meine in der  Dunkelheit schemenhaften Zge  erkennen konnte,
erstarrte er aus seiner  offensichtlichen Ungeduld und  rief mit
der qukenden, mechanischen Stimme, die alle  Menschen am Vidfon
haben: "Ah,  Professor  Berned, endlich  wachen  sie auf...  das
heit, entschuldigen sie  so frh geweckt  zu werden,  aber ihre
Anwesenheit wird  hier  dringend bentigt.  Kommen  sie mit  der
nchsten Bahn in  die Uni,  wir warten  am Informatik-Trakt  auf
sie. Wir..." "Moment...",  murmelte ich  verschlafen und  winkte
mit der  Hand  vor dem  winzigen  Videosensor  ber dem  Schirm,
"bevor ich  meine  mir  zustehenden,  verbleibenden  28  Minuten
Schlaf aufgebe, mchte ich  gerne wissen wieso erstens  ich, und
zweitens  ich   beim  Informatik-Trakt   gebraucht  werde,   und
drittens warum um diese Zeit ?"                                 
                                                                
Homann  unterbrach   seinen  aufgeregten   Redeschwall  als   er
bemerkte da ich  sprach, und  sagte, als  ich fertig  war: "Dr.
Frey und eine unbekannte  Zahl seiner Mitarbeiter  und Studenten
haben sich im Rechenzentrum eingeschlossen.                     
                                                                
Sie haben alle  Zugnge von  auen verriegelt,  und wir  mchten
nicht gerne Gewalt anwenden.  Obwohl die Arbeit von  Dr. Frey in
letzter Zeit nicht,  hm..., jedem von  uns verstndlich  war, so
nehmen  wir  doch  an,  da  er  gute   Grnde  dafr  hat  sich
einzuschlieen. Allerdings sind der einzige  Weg herauszufinden,
was genau er im Schilde fhrt, sie..."                          
                                                                
"Ich ?" fragte ich  erstaunt. Ich kannte Dr.  Frey nur flchtig.
Aber ich wute,  da er  nach seiner  Promotion eine  Stelle auf
Lebenszeit  erhalten   hatte,  und   sich   seit  dem   obskuren
Randgebieten  der   Informatik   und  Mathematik   widmete.   Am
bekanntesten war er an der Universitt durch  die Witze die sich
seine Studenten erzhlten, und die alle anfingen  'Wie viele Dr.
Freys  braucht  man  um  eine  Glhbirne   einzudrehen  ?'.  Die
Antworten  waren  stets   hochkompliziert,  riefen  bei   seinen
Studenten aber  regelmssig  Lachkrmpfe  hervor.  Mathematische
Laien,  selbst  wenn  sie   mit  hherer  Mathematik   ihr  Brot
verdienten, hatten nicht die  geringste Chance zu  verstehen was
so lustig an einer Antwort wie 'Zwei -  Einen um den Attraktor  
zu berladen,  und  den  zweiten  um die  andere  Toruskette  zu
konstruieren.' sein  sollte.  Ich  wei  nur  noch,  da  er  in
letzter Zeit an  etwas arbeitete  das Knstliches Leben  genannt
wurde. Davon hatte  ich schon  frher gehrt, schlielich  hatte
ich bei meiner real-holistischen Ausbildung mit  praktisch allen
Wissenschaften und  ihren  Schattierungen  zu tun  gehabt.  Aber
soweit ich  mich  erinnerte  war  das  Gebiet,  ebenso  wie  die
Knstliche Intelligenz fnzig  Jahre zuvor,  vor einigen  Jahren
aufgegeben worden, das heit, es stagnierte. Frey  war mir immer
als unverbesserlich,  ja verbohrter,  Computerfreak  erschienen,
und so wunderte es mich, was er von  mir, einem Philosophie- und
Gesellschaftsprofessor wollte.                                  
                                                                
"Ich wei auch nicht  was er von  ihnen will, aber  es erscheint
uns  weniger  Aufwand  ihm  sie  auszuliefern,   als  die  Tren
gewaltsam aufzuschlagen oder  die Stromleitungen zu  kappen, was
vermutlich das gleiche Resultat htte. Ich kann  sie nur bitten,
kommen sie  so  schnell  wie  mglich...  verdammt,  wir  wollen
einfach wissen, was dort drin los  ist..." "Schrdingers Katze."
murmelte ich. "Was ?"  fragte Homann verwirrt.  "Nichts", winkte
ich ab,  "ich komme  sobald  es geht..."  "Es  mu jetzt  sofort
gehen !" rief Homann. Ich  holte mit dem Handgelenk  aus, um mit
einem Umschnappen den  Deckel zu  schlieen. Homann bemerkte  es
durch das wegkippen  meines Bildes,  und er  fgte rasch  hinzu:
"Danke, bis gleich  !" Ich fhrte  die vorbereite  Bewegung aus,
lauschte dem  leiser  werdenden 16KHz  Ton  des Bildschirms  und
legte mich  noch  einmal zurck.  Das  leise  Atmen meiner  Frau
hrte sich so verlockend an, eine Sekunde  lang dachte ich daran
einfach weiter zu schlafen.  Doch dann mahnte mich  meine feste,
in  mhevoller  Arbeit  gezchtete  Moral,  und   mein  ltester
Urinstink, nmlich  der  Forscherdrang, sofort  aufzustehen  und
die 08:20 Bahn zu erwischen.                                    
                                                                
Ich hob  also  meinen  langsam  lter  und  gesetzter  werdenden
Krper aus dem  Bett, weckte  meine Frau  nicht auf  und zwngte
mich in einen Anzug.  Dann ging ich  in die Kche  und entschlo
mich  mit   Hilfe   von   Drogen   wachzuhalten.   Nachdem   die
Kaffeemaschine angeworfen war,  durchsuchte ich den  Khlschrank
nach Ebarem, und fand einige extrem  ungesund aussehende Kekse,
die absolut nicht in diesen Khlschrank gehrten.  Mit der Tasse
und den  Keksen in  der Hand  verlie ich  unser Haus,  ging zur
nahegelegenen  Bahnhaltestelle   und   konnte  sofort   in   den
schwebenden Magnetwagen  einsteigen,  der gleichzeitig  mit  mir
ankam. Dieses perfekte Timing  hatte ich mir antrainiert  um dem
angestrebten Bild  eines  vornehmen  Professors, der  die  Wrde
persnlich ist  nherzukommen. Die  Fahrt zur  Uni dauerte,  wie
immer, siebzehn Minuten und  dreiig Sekunden, und der  Weg ber
den Kampus zum Informatik-Trakt  kostete mich zwei  Minuten, die
ich auch voll auskostete.                                       
                                                      
                                                                
Obwohl das Rechenzentrum das neuste Gebude der  Uni war, sah es
erstaunlich langweilig,  rechteckig und  flach  aus. Ich  fragte
mich, wo  hier  die  vorgeschriebenen  fnf  Prozent  fr  Kunst
ausgegeben worden waren.  Wahrscheinlich hatten die  Architekten
einen Mikrochip  nachzubilden versucht.  Weit interessanter  als
das Gebude, das  seine groen  Glasfenster gewi umsonst  hatte
(Denn wer  sitzt  bei Tageslicht  vor  einem Computerschirm  ?),
fand  ich  die   ungewhnlich  groe   Menschentraube  vor   dem
Haupteingang,   bei   der   es   sich   auf   keinen   Fall   um
frhaufstehende Informatikstudenten  (ein Widerspruch  in  sich)
handeln konnte, die  ungeduldig auf  ihre Vorlesungen  warteten.
                                                                
Mit Wrde und  Vornehmheit, die  wie ich  glaube zu  einem alten
Professor gehren mssen, versuchte  ich mich diskret  durch die
Masse zu drcken, vornehm und wrdevoll meine  Ellbogen und Knie
einsetzend, so da die Studenten um mich  herum sich emprt nach
dem Rpel  umdrehten, der,  wie sie  entsetzt festellen  muten,
einer  der  renomiertesten  und  berhmtesten   Professoren  der
Universitt war, und  sich dann  leicht verbeugend  aus dem  Weg
bewegten. Ich rckte meine,  wie ich angewidert  festellte nicht
vorhandene, Krawatte  zurecht  und  schritt  weiter  nach  vorn.
Sobald Homann, der brigens  offizieller Chef der Uni  war, mich
sah, unterbrach er  sein ruheloses  Auf- und  Abgehen und  boxte
begeistert Studenten  zur Seite,  um sich  einen Weg  zu mir  zu
bahnen. Ich erkannte,  da dies auch  mir einen Weg  zum Gebude
schaffen wrde, und  so blieb  ich stehen  um Homann  die Arbeit
fr mich machen  zu lassen.  "Kommen sie Berned  !" rief  er und
lie mir berhaupt  keine andere  Wahl, indem  er mich  am rmel
mit  sich  zog.  Erst  im  Haus  fing  er   an  mich  zu  Duzen,
schlielich waren wir  seit 40  Jahren eng  befreundet. "Er  hat
sich im Keller  verschanzt, der  den grten  Teil des  Gebudes
darstellt...". Den  Hausmeister  und einige  andere  Professoren
und Doktoren  benutzte  Homann  als  Trblockade,  wie  ich  mit
raschem Rckblick feststellte, "...auch die  Stromversorgung des
gesamten Kampus mndet  dort. Er redet  mit uns nur  durch einen
Trspalt. Er  hat  sonst  smtliche Verbindungen  zur  Auenwelt
blockiert, sogar  die Rechner  in den  unteren Stockwerken  sind
von auen nicht mehr abrufbar, also die  Netzkabel mssen gelst
sein..." Wir  hasteten  durch den  Hauptgang,  an den  Hrslen
vorbei zu der Tr  die in die unteren  Stockwerke fhrte. Homann
unterbrach sich selbst mitten  im Satz, voll darber  im Klaren,
da ich sowieso  nicht zugehrt hatte,  klopfte an die  Tr, und
rief: "Dr. Frey,  wir haben  Professor Berned  fr sie  geholt."
                                                                
Sofort ffnete sich  die Tr, Dr.  Frey schaute heraus,  und als
er mich sah, zog  er mich ins  Treppenhaus. Zu Homann  sagte er:
"Sie mssen leider  noch eine  Weile warten,  Chef... Geben  sie
uns drei Stunden." Er  lie ihn sprachlos stehen,  schlo hinter
sich die Tr und wandte  sich an mich: "Ich  bin hocherfreut da
sie kommen konnten,  Professor !  Wir knnten  ein Problem,  da
heit, wir  haben  eine  Situation,  zu  deren  Beurteilung  wir
unbedingt sie  bentigen. Ich  wei, ich  wei sie  unterrichten
Philosophie und Soziologie...  sagen sie  nichts und lassen  sie
mich erklren...  Sie  sind mit  den  Grundlagen der  Informatik
vertraut ?" Ich  nickte und wollte  ihm erlutern, da  ich viel
mit Logik und  Boolscher Algebra  zu tun  hatte, aber  er redete
sofort weiter. "Gut, also,  lassen sie mich  zunchst erlutern,
warum wir uns  hier eingeschlossen haben.  Es gibt  zwei Grnde.
Erstens ist  es von  uerster Wichtigkeit,  da unsere  Rechner
unter keinen Umstnden abgeschaltet  werden. Und das  knnen wir
am besten von hier kontrollieren, wo  die meisten Stromleitungen
der Uni mnden. Der  Zweite Grund ist,  da wir auf  keinen Fall
jemanden sehen  lassen  drfen,  warum  wir  die  Rechner  nicht
abschalten drfen,  knnen  !  Jedenfalls  nicht bevor  sie  die
Situation  beurteilen..."  Er  rckte  mit  einem  Finger  seine
schmutzblinde Brille zurecht und  wies mit der anderen  Hand den
Weg.                                                            
                                                      
                                                                
Wir gingen ein paar  Treppen hinunter und drangen  tiefer in das
Gebude ein.  Es schien  mir  jetzt offensichtlich  wo die  fnf
Prozent fr Kunst  verwendet wurden.  Die Wnde  waren ber  und
ber mit Kabeln  und Monitoren  bedeckt, so da  ich mir  wie in
der Kulisse  zu  einem Science  Fiction  Film vorkam.  Natrlich
wute ich, da  alles hier drin  einem bestimmten  Zweck diente,
aber so war  es einfacher.  Frey sagte:  "Lassen sie  mich ihnen
zuerst die Hardware erlutern, die ich und  meine Mitarbeiter in
unserem Arbeitszimmer angehuft  haben. Es  handelt sich um  ein
hochparalleles Netz von Rechnern, dessen Herzstck  ein Computer
ist, den wir selbst  gebaut haben. Er  heit FCAM 9,  was 'Freys
Cellular Automata Machine'  beudeutet. Bestimmt haben  sie schon
von  zellulren  Automaten  gehrt  ?"  Ich   nickte.  Zellulre
Automaten waren  zweidimensionale Turingmaschinen,  die etwa  zu
der  Zeit  auftauchten,  als   die  Theorie  fr   die  Computer
geschaffen  wurde,   also  etwa   in  der   Mitte  des   letzten
Jahrhunderts. In einem zellulren Automat tickte,  wie der Quarz
eines Rechners, eine  imaginre Uhr. Bei  jedem Tick  dieser Uhr
wechselte jede  Zelle  des  Automaten  ihren Zustand,  und  zwar
basierend auf den benachbarten Zellen. Ich  wute, da zellulre
Automaten keine praktische  Anwendung besaen, und  so begegnete
man ihnen  hchstens  als  Bildschirmschoner. Bei  den  heutigen
Bildrhren   war   ein    Bildschirmschoner   aber    vollkommen
berflssig, und so dienten zellulre Automaten  in Wirklichkeit
lediglich  noch  als  Indikator,  das  der  Bildschirm  und  der
dazugehrige Computer eingeschaltet sind.                       
                                                                
Frey fuhr  fort: "Gut.  Unser  System dient  dazu einen  solchen
zellulren Automaten laufen zu lassen. Und zwar  handelt es sich
um einen  8-bittigen,  da  heit,  wir  haben  Zellen  mit  256
Zustnden  und  acht  Nachbarn,  die  auch  jeder  256  Zustnde
annehmen knnen.  Somit  gibt es  in  einem Neuner-System,  also
Mittelzelle und acht  Nachbarzellen, neun mal  8 bit,  also 2^72
Zustnde. Was unsere Maschine macht, ist einen  2^72 byte groen
Vektor zur Verfgung  zu stellen,  der auf  256 Zustnde  zeigt.
Die neun Zellen werden zu einer 72bit  Zahl zusammengefasst, die
der Index  auf  den  neuen  Zustand  ist.  So  haben  wir  einen
universellen  zellulren   Automaten  einfach   indem  wir   die
Endzustnde austauschen,  welche  sich  in  ultraschnellen  RAMs
befinden. Durch die  parallele Struktur knnen  wir gleichzeitig
65536 neue Zellen berechnen, also Indexe bilden.  Damit auch das
schneller geht,  ist  das Feld  ein  sogennantes Torusfeld.  Das
kommt  dadurch  zustande,  da  die   Addressierung  ursprglich
eindimensional ist,  und  Zweidimensionalitt durch  Offsets  in
Gre der horizontalen Lnge erreicht wird. Man  knnte das Feld
also als Spirale auf eine Rhre aufzeichnen,  und um die Spirale
zu schlieen  biegt  man  die Rhre  in  einen  Torus. Aber  ich
schweife ab...                                                  
                                                                
Das Feld auf  dem wir  die Automaten  laufen lassen,  ist 131072
mal 131072  Felder  gro.  Wir  brauchen also  16  Gigabyte,  um
allein ein  Feld  zu  speichern.  Und fr  jeden  neuen  Schritt
mssen wir  von  jedem Element  dieser  Felder  den Index,  also
diese 72bit  Zahl, bilden,  und den  errechneten Neu-Zustand  in
ein zweites  Feld  schreiben.  Mit  unserer  Hardware,  die  wir
schlielich nur zu  diesem Zweck gebaut  haben, ist  es mglich,
eine Frequenz von  immerhin 80Hz  zu erreichen,  das heit,  wir
berechnen 80 neue Felder pro Sekunde.                           
                                                                
Hierbei dienen die  anderen Rechner  lediglich als Speicher  fr
die zwei  Felder, und  zum berechnen  von sinnvollen  Automaten.
Unser  Ziel   war   es   nmlich  einen   mglichst   komplexen,
langlebigen Automaten  zu  berechnen.  Dazu  bedienten  wir  uns
genetischer  Algorithmen,   die   erfolgreiche   Automaten   von
kurzlebigen, einseitigen  oder chaotischen  trennten.  Natrlich
liesen wir nicht  alle Kombinationen  von Zustnden laufen,  wie
gesagt,  wir   testeten   nur   zufllige,   jedoch   gewachsene
Automaten,  aber  die  Software  zum  Erkennen   von  schlechten
Automaten ist eine Geschichte fr sich."                        
                                                                
Frey sprach  mit  der  Begeisterung  eines Forschers,  der  eine
groe  Entdeckung  gemacht  hat,  und  jetzt   diese  Entdeckung
mglichst  schnell  weitergeben  will,  gleichzeitig   aber  auf
weitere Arbeit  brennt.  Eifrig nickte  ich,  als  ob ich  alles
verstnde, in der Hoffnung,  auch ohne die Grundlagen  den Punkt
zu verstehen. Schlielich  wollte ich mglichst  schnell wissen,
warum ich hier  bentigt wurde.  Wir gingen  noch ein  Stockwerk
tiefer, und weiter nach hinten. Ich bemerkte, da  wir ab und zu
eine verschlossene  Tr  passieren  muten.  Frey  wollte  unter
keinen Umstnden sein Geheimniss preisgeben.                    
                                                      
                                                                
"Wie ich  schon  sagte,  unser  Ziel  war  es,  einen  mglichst
komplexen Automaten herzustellen.  Wozu, werde  ich ihnen  jetzt
sagen.", fuhr Frey fort,  "Sie haben sicher gehrt,  da wir uns
in letzter Zeit  mit Knstlichem  Leben, oder KL,  beschftigen.
Dieser  Zweig   der   Informatik   beschftigt  sich   mit   der
Erschaffung, nicht der Simulation, wohlgemerkt,  von knstlichem
Leben  auf  dem   Computer...",  er   bemerkte,  da  ich   mich
auskannte, und fuhr  mit seinen Ausfhrungen  etwas spezifischer
fort, "Also, die meisten  Anstze in der letzten  Zeit basierten
auf die  Vorgabe von  gewissen Objekten,  die genetische  Felder
beinhalteten, die bestimmte  Verhaltensweisen und  Eigenschaften
des  Objektes   beeifluten,   vor   allem  solche   Dinge   wie
Fortpflanzung, Aggression und so  weiter... aber all  dies waren
lediglich Simulationen des Lebens, wenn auch  verblffend echte,
zum Teil. Die  Versuche waren  zu direkt.  Ich habe  mich zurck
auf die Anfnge  der KL  Forschung besonnen.  Mein Ziel  war es,
das Regelwerk  des  Universums,  in  dem das  Leben  stattfinden
sollte, zu schreiben.  Ich lieferte  also nur  die Welt  und die
Weltformel,  und  den   Rest  sollte  die   Evolution  besorgen.
                                                                
"Bereits  Conway  erkannte  im  letzten  Jahrhundert,  da  sein
grundlegender, wenn auch rudimentr erscheinender  Automat LIFE,
zu Leben mglich war. Dies ergab sich  durch die Komplexitt des
Automaten,  und  die  Mglichkeit  von  Anordnungen,   die  sich
unendlich fortpflanzten. Meine ersten Versuche machte  ich sogar
mit Conways  Regelwerk,  mute  aber  bald  aufgeben,  denn  der
Automat war allzu  simpel. Bestimmt ist  mit ihm  Leben mglich,
aber man bentigt  dazu grere  Speicher als heutzutage  leicht
erhltlich sind. Wir haben dazu auch  einige Mathematik gemacht,
die kann ich ihnen nachher zeigen.                              
                                                                
"Was wir brauchten,  war ein hoher  Grad Komplexitt,  genau auf
der Schwelle zwischen Wiederholung und Chaos,  der auf mglichst
kleinem Raum  stattfinden  konnte.  Die  Komplexitt  sollte  er
selbst erweitern.  In  den  bereits  erwhnten  Algorithmus  zum
Erkennen  von   kurzlebigen   Automaten   bauten   wir   weitere
genetische  Methoden  ein,  die  das  Entstehen   der  einzelnen
Zustnde berwachten.  Farben,  also  Zustnde, die  nach  einer
gewissen Zeit  ausgestorben  waren,  und  auch  nicht  mehr  neu
auftauchten, bekamen  eine  Mixtur  von zwei  anderen  Zustnden
zugeordnet... also, wir  nahmen die Gene,  das heit,  den Index
von erfolgreichen Farben, kreuzten sie, die                     
Crossing-Over-Methode ist ihnen  bestimmt bekannt, und  ordneten
dem  resultierenden  Index   die  neue,  gemischte,   Farbe  zu.
Natrlich bestand die  Gefahr, dadurch  gewisse andere  Zustnde
zu berschreiben,  aber evolutionr  gesehen  erwies sich  diese
Methode als  sehr erfolgreich  und  selbstregulierend. Aber  ich
langweile sie mit Details...                                    
                                                                
"Worauf ich  eigentlich  hinaus  will  ist..." Wir  blieben  vor
einer   grnen   Tr   stehen.   Auf   dem   Schildchen   stand:
                                                                
                            UII.A5/2                            
                Frey, Higgs, Mermund, Koch (KL)                 
                                                                
Dies war also  die letzte  Tr. Zweites Unterstockwerk,  Sektion
A, Gang fnf,  Raum zwei. Insassen  Frey, Higgs,  Mermund, Koch.
Forschungsgebiet: Knstliches Leben.  Frey fing an  zu stammeln,
irgendwie schien  er das  Eintreten hinauszgern  zu wollen.  Er
sah mich pltzlich  entgeistert an,  mit verzerrtem Gesicht  als
sei es ihm in den Rcken gefahren.                              
                                                                
"Verstehen sie, man  forscht... aber man  teilt seine  Arbeit in
kleinere Probleme auf. Und  in Probleme von  Unterproblemen, und
Unterunterprobleme. Man  denkt  Tag und  Nacht  ber die  Lsung
nach, und  ab  und  zu  geht  einem ein  Licht  auf.  Begeistert
erzhlt man es  seinen Mitarbeitern,  und angesteckt machen  sie
sich an die Arbeit die neue Erkenntnis  einzubauen. Aber es sind
immer kleine Dinge  an denen man  arbeitet, Teile im  Puzzle der
groen Aufgabe.  Verstehen  sie,  wir  forschen  zwar  ber  das
Knstliche Leben. Aber  wir wollen  doch kein Knstliches  Leben
erschaffen... jedenfalls  nicht  wirklich.  Gewi, das  ist  das
groe  Endziel,   das   uns   immer  in   unseren   Hinterkpfen
umherschwirrt.  Und  natrlich   dient  jede  einzelne   unserer
Handlungen dazu uns  diesem Ziel  nherzubringen, zumindest  ein
winziges kleines Stck.                                         
                                                                
Aber wenn  wir unsere  Arbeit realistisch  betrachten, und  wenn
ein Auenstehender sie betrachtet, dann forschen  wir nicht ber
KL. Nicht auf  den ersten,  nichteinmal auf  den zweiten  Blick.
Nein,  wir  rechnen  mit  chaotischen,  mit  nichtlinearen,  mit
hochdimensionalen Systemen.  Wir trinken  Kaffee und  betrachten
bunte Punkte  auf Bildschirmen.  Wir  erfinden kleine  Spielchen
und kreuzen  irgendwelche Bitfelder  miteinander. Wir  schneiden
breite, 256-adrige Kabel zurecht  und schlieen sie  an Computer
an.  Wir  entwerfen  eine  komplizierte,  aber   doch  mglichst
einfache Schaltung  und  lten die  Bauteile  auf eine  Platine.
Mein  Gott,  was   haben  wir  allein   an  Problemen   bei  der
Herstellung der FCAM-Maschine  gearbeitet. Tagelang,  nchtelang
haben wir konstruiert, geltet,  getestet und neue  Methoden zur
Khlung erfunden.  Was man  tut ist  spielen, mit  Baukltzchen,
die aus  Chips  und  Integralen  und  Quadwords  und  TFT-Pixeln
bestehen. Wir bauen  groe Brcken und  Trme, und wir  ahnen ja
nicht was  wir da  bauen. Und  wenn es  schlielich fertig  ist,
dann...                                                         
                                                                
"Verstehen sie, Berned,  man ahnt ja  nicht, da  es tatschlich
funktioniert !  Man ahnt  ja nicht,  da man  das groe  Endziel
tatschlich  erreicht  !   Haben  sie   nie  groe  Burgen   aus
Bausteinen gebaut,  als  sie  noch  ein  Kind  waren,  aber  da
endgltige Modell  fiel  immer eine  Nummer  zu  klein aus.  Nie
waren sie zufrieden  mit dem Ergebniss,  denn die Burg  in ihrem
Kopf war stets  grer, bunter,  mit mehr  Trmen. Und  wenn sie
lter wurden,  dann bemerkten  sie,  da es  nicht wirklich  die
Burg war, die sie bauen  wollten. Nein, sie bauten  nicht um das
fertige Modell vor sich zu haben, sondern  um des Bauens willen.
Um  kleine  Zinnen  zu  setzen,  und  Tore  zu  entwerfen,  eine
Mechanik fr versteckte Falltren  zu entwickeln und  Fahnen auf
Trme zu stecken. Das  war es was  sie, ich, wollten,  nicht die
Burg. Absichtlich  steckten  sie  ihr  Ziel zu  hoch,  denn  sie
wollten nur einen Vorwand  um diese Falltr in  irgendeinen Turm
einzubauen."                                                    
                                                      
                                                                
Er hielt inne, senkte den  Kopf und bi die  Lippen zusammen. In
Gedanken tastete  seine  Hand nach  der  Klinke. Wie  aufgeweckt
schreckte er wieder hoch, drckte die Klinke  nieder, schob mich
in den dahinterliegenden  Raum und achtete  darauf, da  ich nur
die Dinge sah, die er mir zeigte:                               
                                                                
"Vorsicht, Stufen...", wir stolperten metallene Stufen  in einen
kleinen, nur durch Bildschirme  beleuchteten Raum hinab,  in dem
eine extrem hohe Temperatur herrschte, und  der Sauerstoffgehalt
noch hchstens fnf Prozent  betrug, "so hier sehen  sie unseren
Konferenztisch,"  Frey   lenkte   mein   Augenmerk   auf   einen
hexagonalen Tisch in  der Mitte  des Raumes,  der ber  und ber
mit   Papier,   Kaffeetassen    und   -flecken,   Stiften    und
Schachbrettern samt  bunter  Spielsteine  bedeckt  war.  An  dem
Tisch  saen  zwei  von  Frey's  Doktoranten,  die  bei  unserem
Eintritt aufgesprungen waren  "Hier haben  wir Herrn Higgs,  Mr.
Higgs, tiz  iz  Mr.  Berned"  stellte  Frey  mich  einem  jungen
Amerikaner vor,  der  nicht  mehr  ganz  zeitgeme,  zerrissene
Jeans und einen alten, abgetragenen Pullover  trug. Seine Frisur
war einer  dieser  negativen  Irokesen-Schnitte, die  aus  einem
kompletten  Vollbart  bestanden,  der  nur  in   der  Mitte  der
Kopfhaut von  einem geraden,  sorgfltig  rasierten Streifen  in
seiner Wucherung  behindert  wurde. Ich  wei  nicht zu  welcher
Subkultur die Trger derartiger  Frisuren gehrten, und  was sie
damit mitteilen wollten, aber ein Blick auf  die zerknllten und
unzerknllten Zettel auf  dem Tisch vor  Higgs Platz  sagte mir,
da  er  mir   bestimmt  etwas   von  finiten  Attraktoren   und
Antimaterie-Ausgleich erzhlen wrde,  wenn ich ihn  nach seinem
Haarschnitt fragte. Wir schttelten unsere Hnde,  und murmelten
"Sehr erfreut!",  da rief  Frey  bereits: "...und  das ist  Herr
Koch, Herr  Koch, Professor  Berned" Koch  war eher  unscheinbar
und hatte mehr  die Erscheinung des  durchschnittlichen Strebers
mit  Hornbrille,  die  allerdings  durch  lilane  Westernstiefel
leicht  gestrt  wurde.  Auch  wir  schttelten  die  Hnde  und
murmelten hastig "Sehr erfreut!".                               
                                                                
In der immer noch gleichen, schwenkenden Bewegung  zog Frey mich
zur rechten Wand  des Raumes, an  der Computer,  Bildschirme und
Gerte, deren Anwendung man mir erst erklren  mute, in Regalen
gestapelt  waren.  Davor   sa  ein   weiterer  Doktorant,   der
logischerweise Mermund sein  mute und  mindestens drei  Schirme
gleichzeitig zu  kontrollieren  versuchte. "Herr  Mermund,  Herr
Frey", Mermund nickte  nur konzentriert  und blickte nicht  auf,
und so belie  auch ich  es bei einem  verbalen Gru.  "Hier ist
unsere Hauptrechenleistung  versammelt",  sagte Frey  mit  einem
Anflug  von   Stolz   und   Begeisterung,   "Zwei   INKAs,   die
hauptschlich als Speicher dienen, zum Auslagern von  je 8 Gigs,
einer  mit  16   Gig  bestckt,  und   noch  einer   als  Server
ausgerstet. Dieser  bedient auch  das Hauptgert,  die FCAM  9,
die sie hier sehen", er deutete auf  mehrere Regale gleichzeitig
(ich vermute Teile der Platine waren  verteilt angeordnet), "Die
Stromversorgung ist doppelt  gesichert und auerdem  durch diese
Batterien unter  dem Regal  fr eine  halbe Stunde  gepuffert...
wenn  wir  die  Anordnung  mit  80Hz  weiterlaufen  lassen.  Die
restlichen Gerte und die Notebooks fungieren  als Maulwurf, das
heit als Sonde, und  sind auch mit der  Hauptschleife vernetzt.
Sie dienen dazu in  das laufende Programm einzugreifen.  Das ist
durch  Kochs   hervoragende  parallele   Echtzeit-Compilierungs-
technik mglich. Nun  sehen sie  jedoch den,  wenn auch  fr die
Funktion  vllig  unntigen,   so  doch   fr  die   Beobachtung
wichtigsten Teil der Hardware..." Er drehte sich  um, und zeigte
auf die  hintere  Wand, verdeckte  mir  jedoch gleichzeitig  den
Blick, als  wolle  er  den  Moment der  Enthllung  bis  zuletzt
hinauszgern.                                                   
                                                                
"Es ist  unsere  groe  Anzeigewand,  die  wir  aus  32  mal  32
Standart TFT-Anzeigen zusammengesetzt haben, um  sowohl scharfe,
digitale Anzeige,  als auch  die bentigte,  hohe Auflsung  von
131072 mal  131072 Punkten  zu erreichen...",  Ich versuchte  an
ihm vorbeizusphen,  doch er  lenkte erfolgreich  den Blick  auf
sich  durch  wildes   Umherzappeln,  "...guten  Kontrast   durch
schwarzen Hintergrund.  Dann  haben  wir  das  ganze  mit  einer
Plexiglasscheibe  abgedeckt,  zum  Schutz  und  auch  damit  wir
Markierungen  anbringen   knnen.   Die  Pixel   sind   brigens
lediglich 0.015mm  gro,  und  die Wand  genau  2  mal 2  Meter.
Und..." Er  hielt  inne,  weil  er  bemerkte,  da  er  nur  das
Unvermeidliche  hinauszuzgern  versuchte,   und  trat   wortlos
beiseite.                                                       
                                                      
                                                                
Ich brauchte eine Weile um  meine Augen an das  zu gewhnen, was
ich sah. Zuerst  war es nur  eine groe, quadratische  Tafel die
aufrecht  in  einem  Aluminium-Rahmen  an  der  Wand  stand.  Am
breiten   Fu   des   Rahmens   fhrten    mehrere,   vieladrige
Flachband-Kabel  zu  der  groen  Computeranordung.   Die  Tafel
selbst schien  von innen  heraus zu  leuchten, und  das tat  sie
auch, wie es alle  Bildschirme tun. Doch  auf der Tafel  war ein
solches Gewirr  und Geflimmer,  da  ich mich  erst nach  kurzer
Zeit orientieren  konnte.  Die  ganze  Flche schien  von  allen
Farben  des   Regenboges  bedeckt   zu  sein,   wie  eine   alte
LCD-Anzeige die eingedrckt  wird. Aber  es waren keine  sanften
Spektrenzge, oder Interferenzartige Muster, sondern es  war das
wabernde, brodelnde Chaos das in 80Hz  Schritten flimmerte, zwar
unsichtbar fr das Auge, aber sichtbar in  den immer wieder sich
rasend ndernden Konfigurationen, Mustern, Explosionen,  wie ein
Zeitrafferfilm einer endlosen  Bakterienkultur. Ich htete  mich
nher zu treten um Details zu erkennen, denn  ich sah, da meine
Augen und mein Gehirn  zu langsam dafr wren.  Auch Frey sagte,
tonlos: "Treten sie einen Schritt zurck !"                     
                                                                
Ich tat wie gehieen,  und stie stolpernd an  den Tisch. Hastig
hielt ich mich daran fest. Meine Augen  waren vollkommen von dem
bunten, keine Farbe  bevorzugenden Chaos gefangen.  Ich erkannte
langsam  grere  Konfigurationen   und  Farbflchen  die   sich
unterschieden. Nein,  im Prinzip  gab es  nur zwei  verschiedene
Flchen,  den  dunklen  Hintergrund,  auf  dem   weniger  dichte
Aktivitt stattfand,  und  eine gurkenfrmige  Anordnung,  nein,
eigentlich war es mehr ein unfrmiger Fleck,  der relativ in der
Mitte des Schirms  klebte. Nach  dem ich  diese Grundformen  wie
aus einem Sehtest  beim Augenarzt  herausgeschlt hatte,  konnte
ich genaueres erkennen.  Der Fleck  in der  Mitte war  von einer
recht dnnen,  etwas  blulicheren  Region  umgeben,  und  diese
blauen Straen zogen  sich auch durch  die Mitte des  Flecks. An
dem dnneren Ende der  Gurke schien ein  langer, blau-rot-blauer
Faden zu  hngen,  der  sich  erstaunlich eckig  in  der  Region
oberhalb des Flecks wand,  und dessen Spur ich  mehrmals mit den
Augen verlor, als  ich ihm  zu folgen  versuchte. Innerhalb  des
Fleckens schien  es auch  Regionen  zu geben,  in denen  gewisse
Farben bevorzugt wurden,  gelb gesprenkelt,  hell, grnlich  mit
lilanen  Kreisen,  Blinkern   und  Explosionen,  grau,   einfach
schwarze Blasen, die  sich trge auflsten  um an  einer anderen
Stelle neu  zu entstehen,  und  so weiter.  Jetzt,  da ich  eine
Weile hingeschaut  hatte,  erinnerte  mich  das  ganze  an  eine
Zelle, an  den Querschnitt  einer  pflanzlichen oder  tierischen
Zelle, die ich  aus meinen  Vorlesungen ber  Cytologie noch  so
gut  kannte.   Bestimmt   wre   mir  die   hnlichkeit   blder
aufgefallen, htte ich  von Zellen und  ihren Organellen  nur in
der Schule  gehrt, und  nur  die wichtigsten  Merkmale und  das
grobe Aussehen der wichtigsten  Zellen gelernt. Aber  ich kannte
ja   die   Mitochondrien   genauer   als   den   Inhalt   meines
Khlschranks, und  war  als  Kind  in  das  Moleklmodell  eines
ganzen Ribosoms  geklettert. Aber  jetzt erschien  all dies  was
ich sah so fremd,  da es mir  fast schon wieder  absurd schien,
dies mit einer  Zelle verglichen  zu haben.  Ich blinzelte,  und
schon war  die  unscharfe  Gurke  verschwunden  und  machte  dem
unheimlichen, stillen,  undurchdringlichen Farbgeblubber  Platz,
das  nur   von   dem  Summen   leiser   Lfter  begleitet   war.
                                                      
                                                                
                                                                
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