                                                                
Ich kniff  die Augen  zusammen,  die langsam  von dem  Geflimmer
schmerzten und tastete nach einem Stuhl. Jemand  schob mir einen
hin und ich setzte  mich. Ich ffnete  die Augen und  da schlte
sie sich wieder heraus: Die  Zelle. Frey sah mich  an. Er fragte
berflssigerweise: "Sehen  sie  es ?"  Ich  nickte und  fragte:
"Was ist das ?" und  er antwortete: "Dazu haben  wir sie geholt.
Wir nennen es jedenfalls das Tier."                             
                                                                
Es war still in dem  Raum, noch stiller als vorher,  und nur das
Summen von  Lftern  und  Khlern  und das  unbestimmte  Brummen
grerer Maschinen an  anderen Stellen  im Gebude erfllte  die
Luft, deren Temperatur, wie  ich jetzt erst  erneut feststellte,
weit  ber  dem   Angenehmen  lag,  und   deren  Zusammensetzung
bestimmt  nicht  zur  Gesundheit  der  Anwesenden  beitrug.  Ich
schtzte 60%  Stickstoff,  20%  Kohlenstoffdioxid und  der  Rest
Ozon von den Maschinen. Bevor  ich etwas sagte, ging  ich um den
Tisch herum,  die Treppen  hinauf  und ffnete  die Tren  weit.
Sofort strtzten alle auer  Mermund hinterher und  hielten mich
fest. Ich  schttelte sie  ungehalten  ab und  sagte: "Wenn  wir
nicht aufmachen und Luft  hereinlassen wird bald keiner  von uns
mehr in  der Lage  zu sein  zu Denken,  geschweige denn  auf den
Automaten aufzupassen  !" Dieses  Argument schlug  ein, und  sie
lieen mich, wenn auch zgerlich, los.                          
                                                                
"Ich habe  ja gar  nicht vor  zu  gehen..." sagte  ich und  ging
zurck zum  Tisch,  wo  ich  einen Platz  gegenber  dem  Schirm
einnahm. Bevor  ich weitersprach,  wischte ich  mir den  Schwei
von der Stirn,  und deutete auf  eine Kaffeetasse,  worauf Higgs
und Koch sofort  zum Waschbecken,  das sich  zusammen mit  einer
grnen, mit  Kreide bekritzelten  Tafel an  der dritten,  bisher
unbeachteten,   Wand    befand,   strtzten,    und   mit    der
ausgeschwenkten Tasse  zu den  Computern, von  denen sich  einer
jetzt als Kaffeemaschine entpuppte. Mit der  dampfenden Droge in
der Hand, die schon  die zweite in  kurzem Abstand war,  wie ich
feststellte,  sa  ich   da  und   versuchte  etwas  zu   sagen.
                                                                
Meine  Verwirrung   war  auf   den   zweiten  Blick   vollkommen
ungerechtfertigt. Ich hatte mich durch die  Verschanzung und die
dichte Atmosphre in  dem Raum  wie Frey  und seine  Mitarbeiter
hinreien lassen, ein  paar wabernden  Pixeln eine  unglaubliche
Bedeutung zu  geben. Was  waren  denn diese  Punkte schon  auer
einem   simplen,    allzu   simplen    Ausschnitt   aus    einer
zweidimensionalen Simulation einer Turingmaschine ?  Ich stellte
meine Augen wieder  scharf und  besah mir  die Wand  ein zweites
Mal. Das  war es  wieder: Das  Tier.  Ich atmete  durch. Es  sah
tatschlich so verblffend lebendig aus.                        
                                                                
"Was ist ihre  Vermutung meine  Herren", fragte ich  rethorisch,
"sie glauben also tatschlich,  da in ihren  Speicherzellen ein
knstliches Lebewesen  wohnt,  dessen  topologische  Darstellung
ich hier sehen kann ? Ich frage  sie, welche Eigenschaften auer
einer,  zugegeben  verblffenden,   visuellen  hnlichkeit   mit
Einzellern weist es denn  auf, da sie  das Tier, ich  meine den
Fleck, lebend nennen ?"                                         
                                                                
Als  htten  sie  nur  auf  diese  Frage  gewartet,  und  stolz,
prsentieren zu knnen, da  auch Informatiker sich  mit anderen
Gebieten  als  der  Mathematik  und  Computertechnik  auskennen,
zeigten sie  mir  die  Merkmale  des Tieres  auf.  Triumphierend
sagte  Frey:  "Ha,   sie  meinen  Fortpflanzung,   Stoffwechsel,
Vernderungen durch  Evolution,  typische  chemische  Reaktionen
und Aufbau  aus  Zellen,  die ihrerseits  bestimmte  Baumerkmale
haben, und,  worber  man sich  noch  streitet, Intelligenz  und
Bewutsein, die  sich, bis  zum jetztigen  Stand der  Forschung,
nur durch gewisse Verhaltensweisen manifestieren. Nun  gut, hier
das  erste  Merkmal.  Mr.   Higgs,  erlutern  sie   Berned  den
Krperbau !"                                                    
                                                                
In einem Deutsch,  da erstaunlich  wenig amerikanischen  Akzent
hatte, began Higgs mir  gewisse Flchen innerhalb des  Flecks zu
zeigen, untersttzt  von  heftigen  Zwischenrufen  der  anderen,
auer Mermund,  der anscheinend  einen  wichtigen Wachdienst  zu
schieben hatte.                                                 
                                                                
"Das aufflligste  Organ  ist  die  Zellwand", sagte  Higgs  und
deutete auf die  blulichen Bereiche am  Rand der  krummen Form,
"wir haben jene  Zellen, also Automatenzellen,  blau eingefrbt,
die eine  Art Barrierefunktion  haben.  Wenn eine  andersfarbige
Zelle die  blauen  erreicht, ist  es  unwahrscheinlich, da  sie
ihre Farbe  behlt, und  wahrscheinlicher, da  sie selbst  blau
oder schwarz eingefrbt wird... Wie sie sehen  knnen, haben die
schwarzen  und  dunklen  Zellen  eine  Art  Plasmafunktion.  Sie
begnstigen die Wanderung  anderer Zellen  nicht, behindern  sie
aber auch  nicht..." "Die  Farben  werden automatisch  berechnet
!",  warf  Koch  ein,  "aber  wenn   alles  einem  Einheitsbraun
zustrebt, ordnen wir die Palette neu, je  nach den Eigenschaften
der einzelnen..."                                               
                                                                
Higgs fuhr unbeeindruckt  fort: "Wie  sie sehen, durchzieht  die
Zellwand  auch  das  Innere   der  Zelle,  es  gibt   also  eine
Kompartimentierung. Und sehen  sie !"  Er ging  zur Wand  zeigte
auf eine gewisse Stelle  in der Wand genauer.  Ich konnte nichts
erkennen. "Ein Pore !" riefen Frey, Higgs und  Koch im Chor. Sie
sahen, da ich  nichts erkennen  konnte, und  Frey rief:  "Koch,
das Mikroskop  !". Koch  trat an  den Tisch,  nahm ein  Notebook
auf, kmpfte mit den  daran angeschlossenen Kabeln,  tippte eine
Weile daran herum, und fuhr dann mit  dem eingebauten Mousepoint
herum. Neugierig starrten wir  auf den kleinen Schirm.  "Hier !"
sagte Koch  und tippte  auf  den fettigen  Schirm. Ich  brauchte
wieder eine Weile um  zu verstehen was  ich sah. Auf  dem Schirm
war ein Gitter von  bunten, aber meist blulichen  Kstchen. Dr.
Frey erklrte: "Das ist ein Mikroskop, es  ist mit dem Automaten
vernetzt. Wir lesen  ber den Server  einen Teil der  Matrix aus
und stellen  sie hier  mit  einem Programm  vergrert dar.  Das
hier ist  die  Pore !"  Auch  er zeigte  auf  den Schirm.  Jetzt
konnte ich erkennen,  das eine  dnne Spur andersfarbiger  Pixel
durch die  blaue  Schicht  zu  sickern  schien.  "Sie  wird  aus
dunkelblauen Zellen  gebildet,  die ihre  Nachbarzellen  hnlich
wenig beeinflussen wie die Schwarzen."                          
                                                                
Higgs deutete  wieder  auf  den  groen Schirm.  "Die  schwarzen
Blasen  fungieren  wie  eine  Art  Platzhalter,  vielleicht  wie
Vakuolen. Interessant sind die grnen Zellen.  Wir vermuten, da
sie die Nahrung, oder Energie der Zelle  sind. Sie wandeln sich,
je nach ihrer  Umgebung, in andere,  meist gleichartige  wie die
sie umgebenden, Zellen.  Mermund hat  die Aufgabe so  vorsichtig
wie mglich  solche grnen  Zellen zu  verteilen..." "Was  heit
vorsichtig ?"  fragte ich.  Mermund sagte  aus dem  Hintergrund:
"Sie in  mglichst dunkle  Stellen  zu setzen.  Dort halten  sie
sich am  besten,  und  wir  laufen am  wenigsten  Gefahr,  durch
unseren  Eingriff   bestehende  Strukturen   zu  stren."   Aha,
Mermunds Aufgabe war es also die Zelle zu  fttern, damit sie am
Leben blieb. "Stoffwechsel  !", rief ich  aus, "Wie luft  er ab
?"   "h"   sagte   Higgs,   aus   dem    Konzept   gebracht.
                                                                
Koch sprang fr  ihn ein:  "Das hier knnte  ein Mund  sein", er
deutete mit dem  Mikroskop an eine  Stelle in  der Auenmembran,
die  mich   an  ein   Fludelta   erinnerte,  "aber   vermutlich
diffundieren  grne  und   andere  Zellen   berall  durch   die
Zellmembran." "Aber  warum  braucht  die  Zelle  berhaupt,  hm,
Nahrung ?  Die Zellen  sterben  doch nicht  aus, die  Berechnung
geht doch  ewig  weiter  !" fragte  ich.  "Jaja,  dafr ist  die
sogenannte Entropie  verantwortlich.  Wir nennen  diesen  Effekt
so, weil er  der Entropie  in der  Natur hnelt.",  meldete sich
Frey  zu   Wort,   "Jeder   zellulre  Automat   erlischt   nach
unbestimmter  Zeit,  da   heit,  bleibt   stehen  und   blinkt
hchstens nur  noch  in stabilen  Anordnungen  weiter... Es  sei
denn man  schafft  knstlich simple  Anordnungen  die sich  ewig
weiterpflanzen,   zum   Beispiel   sogenannte    Kanonen,   oder
Schienenbauer. Oder  man  setzt, wie  wir,  gezielt neue  Zellen
ein, um den  Prozess knstlich aufrechtzuerhalten...  Allerdings
liegen sie hier  nur herum, bis  sie von anderen  Zellen berhrt
werden,  aufgeschluckt  werden,  oder  aber  !",  er  hob  seine
Stimme, "sie diffundieren  durch die  Zellmembran und werden  im
Innern der Zelle verarbeitet!"                                  
                                                                
Ich nickte und  schwieg andchtig. Higgs  fuhr jetzt  fort: "Wir
vermuten, da  diese  gelbe  Region  hier  etwas  hnliches  wie
ein... Nervenzentrum sein  knnte." "Ein  Gehirn ?" Ich  starrte
unglubig auf die  Flche. "Nun, its  like so",  versuchte Higgs
zu erklren, "wir haben hier eine  groe Konzentration logischer
Schaltungen  festgestellt..."  Bevor   ich  die  Frage   stellen
konnte, zog Koch mich  am rmel um meine  Aufmerksamkeit auf das
Mikroskop zu  lenken. "Wir  sind nmlich  in der  Lage, mit  nur
neun  Zellen  ein  Und-Gatter  aufzubauen,  mit   nur  acht  ein
Oder-Gatter, und  mit sogar  nur  vier eine  Negationsschaltung.
Bei  monochromen  Automaten   sind  ein   paar  hundert   Zellen
notwendig,  wenn   es  berhaupt   mglich   ist,  um   logische
Schaltungen und  damit  beliebige Maschinen  nachzubauen...  Die
gelben Zellen dienen als eine Art  Botenstoffe. Unter bestimmten
Bedingungen bewegen sie  sich vertikal,  horizontal oder  schrg
fort. Das sieht  natrlich nur  so aus,  durch ihre  Anwesenheit
veranlassen  sie   andere   Zellen   ihre   Kopie   entsprechend
anzufertigen. Wenn also eine  oder zwei solcher Zellen  auf eine
Gatteranordnung  stoen,  verlassen  sie,  nach   den  logischen
Regeln, die  Zellen  wieder...  um  dann auf  andere  Gatter  zu
stoen und dort als Eingabe zu dienen."  "Gut, aber kann dieses,
hm,  Gehirn,  auch  seine  Ergebnisse  weitergeben,  das  heit,
bernimmt es eine  Funktion ?" fragte  ich. "Wir wissen  es noch
nicht.  Aber  die  gelben  Zellen  sind  berall  in  dem  Wesen
verteilt, und  es  kann durchaus  sein,  da  sie bei  Berhrung
anderer  Zellen  gewisse   Reaktionen  auslsen."  Ich   nickte.
                                                                
Higgs deutete an eine andere Stelle: "Aber  das aufflligste und
grte Organell ist  hier." Er fuhr  mit dem Finger  den Schwanz
entlang, der mir gleich am Anfang aufgefallen  war. Hier war die
Konzentration  roter  Zellen   so  hoch  wie   sonst  nirgendwo.
"Beachten sie die  Anordnung am  Ende. Und  hier. Und  hier." Er
deutete auf Stellen der  Wand, aber sogleich wandte  ich mich zu
Koch und seinem  Mikroskop. "Ein Taktgeber  !" erklrte  er ohne
Vergerung.  Frey  fiel   ihm  ins   Wort:  "Die  roten   Zellen
funktionieren  hnlich   wie  die   gelben.  Allerdings   leicht
verndert.  Anstatt  konstant  und  unbeeinflut  ihre  Richtung
beizubehalten,  sind   sie   in   eigener   Nachbarschaft,   hm,
tiefgefroren." Er  deutete  auf das  Innere  des Schwanzes,  das
sich unter  dem Mikroskop  als  eine viereckige  Tropfsteinhhle
entpuppte. Die  roten  Zellen  ragten  von der  blauen  Wand  in
Zhnen  und  Sulen  zur  schwarzen  Mitte  hin.  "Wenn  sie  in
Berhrung mit anderen, auer  blauen, Zellen kommen,  setzen sie
eine Vielzahl von  Reaktionen in Gang,  je nach  den getroffenen
Zellen und  ihrer eigenen  Schattierung. Die  Blauen knnen  als
Leitbahn der Roten dienen." Koch bernahm:  "Und so funktioniert
der Taktgeber: In einem Kreis Blauer rotieren  in Abstnden rote
Zellen. An einer  Ecke wird  der Strom  entlassen. Dort  breiten
sich die roten Zellen  aus und bewirken Vernderungen,  im Takt.
So  wird  gengend   Zeit  fr  bestimmte   Aufgaben  gewonnen."
Bedchtig  nickte  ich.  Knnte  der  Schwanz...   ?  Mit  einer
gewissen Vorahnung  fragte  ich:  "Was,  vermuten sie,  ist  die
Funktion des Schwanzes ?" Sie zgerten.                         
                                                                
Schlielich sagte Frey: "Wir  wissen, das der Schwanz  eine Spur
ist,  die  von   der  Zelle   hinterlassen  wird."  Ich   fragte
verwundert: "Sie  wandert ?!"  "In  der Tat  !"  rief Higgs  und
whlte in  den  Papieren  auf  dem  Tisch.  Schlielich  zog  er
triumphierend einige  Bltter  hervor.  "Schauen sie  her,  dies
sind die Entwicklungsstadien  der Zelle seit  ihrer Entdeckung."
Ich nahm ihm die Bltter ab und sah  sie durch. Auf dem Obersten
war gekritzelt '23:32 /  1152300', und darunter eine  grobe, wie
von  Kinderhand  gezeichnete  Darstellung,  die  vermutlich  die
Zelle darstellen sollte.  "11 Uhr 32  hatte sie  dieses Stadium.
Es war der  1152300ste Schritt,  der Automat  lief also  bereits
vier Stunden.  Wir  entdeckten  die  Anordnung etwa  10  Minuten
frher, maen ihr aber  nicht sofort so groe  Bedeutung zu. Wir
wissen   nicht,   wann,    und   wie   sie    entstanden   ist."
                                                                
"Das ist  ja hnlich  unserer  Entwicklungsgeschichte !",  sagte
ich, "Wir  kennen  die  anfnglichen chemischen  Reaktionen  bei
denen erste  Aminosuren und  Proteine entstanden.  So, wie  sie
die grundlegenden Funktionen der  Zelle kennt. Aber der  Weg vom
Protein zum Einzeller ist  praktisch unbekannt. Und  der Schritt
von  den   chemischen   Funktionen   in   der   Zelle   zu   der
Zusammenarbeit  der  Organe  und  des  Gehirns  ist  auch  nicht
vollstndig verstanden..." Ich  sah mir  die Bltter durch.  Von
einem rechteckigen, kleinen Fleck entwickelte sich  das Wesen zu
dem unfrmigen, fetten  Bananenfleck, das es  jetzt war.  Es war
gewandert  und   gewachsen,   und   hatte  dabei   den   Schwanz
hinterlassen. "Was also  ist der Schwanz  ?", fragte  ich, "eine
Schleimspur wie  von  Schnecken ?  Oder  die Ausscheidungen  des
Tieres ?" "Nein, wir vermuten etwas anderes..."  sagte Koch. "Es
knnte eine  Art  Nabelschnur  sein.  Es ist  der  Zellkern  der
Zelle.  Sehen  sie.  Whrend  Ihrer  Entwicklung   rotierte  sie
langsam. So  konnte immer  ein Abdruck  des Organs  hinterlassen
werden, das sich  am hinteren Ende  der Zelle befand."  Koch hob
mir das Mikroskop-Notebook vor  die Augen. "Dort wo  der Schwanz
in die Zelle mndet,  werden von anderen roten  Zellen neue rote
Zellen gebildet,  und zwar  je  nach den  Zellen,  an denen  das
Wesen abrollt." Ich  sah ein offenes  Delta, an dem  rote Zellen
entstanden, die Mndung des Schwanzes.                          
                                                                
"Sie glauben  also,  der  Schwanz dient  zur  Fortpflanzung...",
murmelte ich  verwundert.  Ich  dachte laut:  "Tatschlich,  das
Ding hat  Organellen, wenn  auch unbestimmter  Funktion. Es  hat
Kompartimentierung. Man  knnte  sagen  es  sieht  einer  echten
Zelle hnlich.  Dann fhrt  es nach  ihrer Aussage  Stoffwechsel
durch. Die  Ausscheidungen sind  nicht  vorhanden, anstatt  wird
der  sogenannten  Entropie   entgegengewirkt.  Und  jetzt   wird
behauptet, die Zelle knne sich fortpflanzen.  Zumindest scheint
sie   ein    Abbild   von    sich    selbst   zu    erschaffen."
                                                                
"Professor Berned",  sagte  Frey,  "Sie  sind  dazu  da,  um  zu
beurteilen ob es  lebt, ob  wir tatschlich  eine Art  digitalen
Frankenstein geschaffen haben." "Das hiee, es  von mir abhngig
zu machen, ob diese  Ansammlung von imaginren, nur  als winzige
Ladungen  in  Kondensatoren  existierenden,   in  irgendwelchen,
womglich  noch  eindimensionalen  Matrizen  angeordneten  Bytes
lebt. Ein  virtueller  Ausschnitt einer  Turingmaschine,  dessen
Vergangenheit  und  dessen  Zukunft  vollstndig  definiert  und
vorausrechenbar sind."                                          
                                                                
Higgs sagte: "Ich  mu sie  daran erinnern:  Wir sind  lediglich
eine Anordnung  von  Quarks  und  Elektronen."  Ich  nickte  und
verstand was  er sagen  wollte.  Die Idee  war  uralt. Nach  dem
heutigen  Weltbild  ist  es  keineswegs  bestimmt,  was  in  der
Zukunft geschehen wird, und  was in der  Vergangenheit geschehen
war.  Systeme   divergieren,  kleine   Faktoren  haben   riesige
Wirkungen, Chaos  entsteht und  ist nur  dadurch zu  beschreiben
das man  auf alles  was es  enthlt  deutet und  sagt: 'Das  ist
Chaos'. Aber  sein Wesen  hat man  dadurch keineswegs  bestimmt.
Wenn ich einen Stein  fallen sehe, kann ich  angenhert sagen wo
er in  der  nchsten  Sekunde  sein  wird.  Wenn  ich  aber  ein
Sandkorn  im  Sandsturm  sehe,  ist  seine   Position  nach  dem
Bruchteil einer Sekunde  hchst ungewi.  Der Schmetterling  der
in China flattert lst hier einen Tornado  aus... Warum soll ich
all das  wiederholen,  ich  kenne  diese  Gedanken  seit  meiner
Kindheit. Das  faszinierende  ist,  das  man  seit  damals  noch
keinen Schritt  weiter gekommen  ist. Denken  sie fnf  Sekunden
ber die Unendlichkeit  nach, und sie  sind soweit  gekommen wie
alle  groen  Mathematiker   zusammen.  Dennoch...  es   war  so
verlockend. Und auch  heute will  ich nicht  daran glauben,  da
die Komplexitt ausreichte,  um den Zustand  des Systems  in der
Zukunft ins Chaos verschwimmen zu lassen.  Derselbe Rechner, mit
derselben Anfangskonfiguration.                                 
                                                                
"Vielleicht  spielt  die  Vorraussehbarkeit  und  Festgelegtheit
berhaupt keine  Rolle.  Vielleicht  ist  das  Chaos  gar  keine
Vorraussetzung   fr    Leben.",    sagte    ich    zu    Higgs.
                                                                
"Aber  vielleicht  spielt  das  Material  des   Universums  eine
Rolle..." Ich kannte  die Theorie:  Realitten sind nicht  durch
ihr materielles Vorhandensein  festgelegt, sondern durch  die in
ihnen enthaltene Information.  Denn schlielich ist  die Materie
und  Energie   selbst  nur   eine   Sache  unserer   subjektiven
Wahrnehmung. Vielleicht  sind sie  nur  unsere Beschreibung  des
zellulren Automaten in dem wir leben.  Bestimmt konnten gewisse
Bewutseinsforscher mir mehr  darber sagen. Ich  versuchte mich
daran  zu  erinnern,   was  ich   ber  dieses  Randgebiet   der
Neurologie  wute.   Es  gab   unter  den   Bewutseinsforschern
verschiedene  Fraktionen.  Erstens   die  Dualisten,  die   eine
Trennung von Geist  und Krper behaupteten.  Unter ihnen  gab es
die Mysterianer,  die glaubten,  da  es nicht  mglich sei  das
Bewutsein  zu   verstehen.   Sie  beschrnkten   sich   darauf,
lediglich  das  Wesen  des  Bewutseins  zu   beschreiben.  Dann
glaubten die  Exoterristen,  da  man  Herkunft  und  Wesen  des
Bewutseins  erklren  konnte,   sie  aber   trotzdem  von   der
materiellen Welt getrennt  seien. Die  andere Hauptgruppe  waren
die Materialisten, die  glaubten das  Bewutsein knnte aus  den
Regeln der Physik  hergeleitet werden. Das  Gebiet gab  es jetzt
seit  gut   vierzig   Jahren.   Aber   bis  auf   einige   neuen
neurologischen Effekte hatte man noch nicht  viel entdeckt. Auch
die Philosophen  waren noch  nicht  weitergekommen. Wie  sollten
sie auch.  Man konnte  nur untestbare,  also nutzlose,  Theorien
aufstellen. Ich  berlegte,  ob es  berhaupt  mglich war,  das
Bewuseinsproblem philosophisch zu  lsen. Meine Methode  war zu
untersuchen, ob es sich dabei um etwas  handelte, da der Mensch
schon immer  wute und  lediglich daran  erinnert werden  mute.
Wieder fiel mir auf, da ich all dies  schon lange kannte... der
Unterschied  war,  das  wir  hier  tatschlich   ein  ungelstes
Problem  hatten,  zu  dessen  Lsung  wir   die  nie  gefundenen
Antworten brauchten.                                            
                                                                
Es war  natrlich sinnlos.  Bestimmt hatten  schon viele  andere
dasselbe berlegt,  und  wenn es  ein  Ergebniss gegeben  htte,
htte ich auf  jeden Fall davon  gehrt. Darber hinaus  war das
nicht das eigentliche  Problem. Es  ging mir  jetzt erst  einmal
darum, ob Leben in dem Computer  berhaupt philosophisch mglich
war.  Also:  Wenn  ein  Universum  durch  die  darin  enthaltene
Information  existierte,  dann  war  es  mglich.  Und  ich  war
berzeugt, das  es  so ist,  denn  schlielich  konnte auch  das
Bruttosozialprodukt  eines  Landes  allein   durch  unmaterielle
Dienstleistungen  und  Erfindungen,  also  Information,  gegeben
sein. Unser  Land  war  ein  gutes  Beispiel  dafr.  Ich  sagte
langsam: "Also, ich  bin zum  Schlu gelangt,  da es  zumindest
mglich ist." Erwartungsvoll nickten die anderen.  Sie sahen aus
als ob sie  das Ergebnis  schon lange  kannten, aber  durch mein
Urteil besttigt wurden.                                        
                                                                
Angenommen es war also  mglich in einem  informativen Universum
Leben zu  entwickeln.  Jetzt berlegte  ich,  ob  dies in  jedem
Universum mglich  war. Ich  wute,  und es  war  ja auch  schon
erforscht, da dazu  ein Universum  mit einem  gewissen Grad  an
Komplexitt notwendig war.  Nach Freys  Beschreibungen war  sein
Automat auch reichlich komplex.  Ich rechnete ein wenig.  Es gab
genau 2^72,  also etwa  10^21 verschiedene  Ausgangssituationen,
aus denen  nur  256 Entscheidungen  getroffen  wurden. Bei  2^16
Pixeln pro Zeile, das  waren 2^32, also etwa  eine Billion Pixel
im Feld, ergab das eine Billion  verschiedene Entscheidungen mit
je 10^21 mglichen Problemstellungen. Ich rechnete  umsonst. Wie
viele  Mglichkeiten  der  Anordnung  gab  es,   wenn  man  eine
wirkliche Zelle in ihre  Molekle, oder gar Atome,  zerlegte und
sie neu anordnete.                                              
                                                                
Andererseits... die  Zellen  dieses Automaten  wurden  genetisch
bereits vorbereitet. Das wre  so, als wrde man  nicht einzelne
Atome, sondern bereits  fertige Proteine liefern,  sogar fertige
Botenstoffe  und  Zellwnde.   Ich  mute  also   mit  kleineren
Faktoren rechnen, wenn  ich eine  wirkliche Zelle zum  Vergleich
heranzog. Bei solchen  Bausteinen war  die Zusammensetzung,  die
richtige   Zusammensetzung,   wesentlich   um    viele   Stellen
vereinfacht.  Es  war  nur   eine  Sache  der  Zeit,   bis  sich
tatschlich etwas Lebenshnliches bilden wrde. Ich  teilte mit:
"Auch der Komplexittsgrad scheint mir hoch genug  zu sein. Wenn
es mglich ist,  so machen  sie doch  etwas Mathematik  dazu. Es
wrde mich interessieren,  nach welcher  Zeit es  wahrscheinlich
ist, da sich grundlegende Formationen wie  Gatter und Taktgeber
gebildet haben."                                                
                                                                
Die  Evolution  der  Lebewesen,  also  bis  zur  Entstehung  der
frhsten bekannten  Bakterien, hatte  etwa  200 Millionen  Jahre
gedauert, nachdem der Beschu  der Erde durch  ein Jahrmillionen
langes  Meteoritengewitter  aufhrte.   Eine  angemessene   Zeit
bedenkt man die Gre der Erde, und den  Umstand, da dort, also
auf der  Erde,  Leben  nicht  aus einem  extra  dafr  gemachten
System  entstand.  Das  heit,  dies  war   eine  philosophische
Streitfrage. Schlielich  wurde in  vielen  Religionen die  Welt
anscheinend gerade fr das Leben geschaffen.  Objektiv, nchtern
und empirisch betrachtet war es allerdings  bei den herrschenden
Naturgesetzen eher  ein Zufall,  wenn Leben  entstand... es  sei
denn Zeit spielte keine Rolle. Angenommen das  Universum sei zum
Zweck der  Schaffung Lebens  erschaffen worden.  Dann wren  die
Vorstufen der Abkhlung,  Bildung von  Materie, Staub,  Krpern,
Sternen, Galaxien eher  ein mhsamer  und umstndlicher Weg  zum
Endziel.  Diese  Vorstufen   waren  in  Freys   Automat  bereits
durchlaufen, da  heit, er  ging tatschlich  vom groen  XAO,
dem Tohuwabohu am Anfang  der Welt, direkt zum  Leben ber. Zeit
spielte tatschlich  keine  Rolle, bemerkte  ich.  Denn sie  war
hier lediglich  durch die  Hardware begrenzt.  Technisch war  es
bestimmt mglich sie  zu verlangsamen... oder  zu beschleunigen,
wenn man  leistungsfhigere Gerte  beschaffen  konnte. Fr  den
Organismus  im  Automaten  aber  wrde  die  Zeitnderung  nicht
erkennbar sein.  Die  Zeit  die  fr uns  zwischen  zwei  Takten
liegt, ist fr ihn immer Eins. Wenn  er einen Zeitbegriff htte.
                                                                
Ich mute also  die Anzahl der  Takte beurteilen.  Vier Stunden,
das waren 80 mal 3600 mal 4,  also 1152000 Schritte. (Natrlich,
diese Zahl war  mir bereits auf  dem Zettel begegnet)  Statt 200
Millionen Jahren,  etwas ber  eine Million  Schritte. In  einem
vorbereiteten Universum. Gengte  es? Man  msste es  berechnen.
Zumindest abschtzen. Ich fragte Higgs ob  er etwas ausgerechnet
habe.  Er  und  Mermund  waren  ber   eines  der  Schachbretter
gebeugt.  (Anscheinend  hatte  Koch  Mermund  bei  seiner  Wache
abgelst. Die Zeit  verging viel  zu schnell,  ich wagte  nicht,
auf die Uhr zu  schauen. Und ich  wollte nicht wissen,  wann die
vier  Forscher   das   letzte   Mal   geschlafen   hatten.)   In
Wirklichkeit hatte ich  Higgs erst vor  wenigen Sekunden  um die
Berechnungen gebeten, aber er konnte bereits  mit einem Ergebnis
aufwarten: "Taktgeber  und Gatter  knnen schon  bei Beginn  des
Automaten vorhanden sein. Allerdings nimmt die                  
Wahrscheinlichkeit eines  berlebens mit  der Zeit  exponentiell
ab, die  Bildung  neuer  Anordnungen  allerdings zu.  Ich  wrde
sagen, nach 50 Takten sind die meisten  anfnglichen Gatter tot,
wenn sie nicht isoliert  im Raum sitzen. Andererseits  knnen in
diesem  Zeitraum  etwa  die  halbe  Zahl  neue  Gatter  gebildet
werden.  Ich   schtze,   der   Bau  eines   Taktgebers   dauert
durchschnittlich etwa 600 Takte."  Ich nickte. In  einer Million
Takten konnte  viel  passieren.  Genug,  zumindest.  Ich  sagte:
"Dann   halte   ich   auch   den   Zeitraum    fr   angemessen.
                                                                
"Allerdings kommt mir  gerade ein  Gedanke, der alle  bisherigen
berlegungen zunichte machen knnte. Dr. Frey,  sie selbst haben
mir gesagt, da lange Zeit von KL-Forschern  nur eine Simulation
des Lebens  gemacht  wurde, nicht  aber  der  Versuch Leben  von
selbst  aus  einer  Ursuppe  wachsen  zu   lassen.  Bei  nherer
Betrachtung ihrer Ursuppe scheint  es mir jetzt aber,  da diese
Ursuppe aufs heftigste  manipuliert wurde, ja  sogar nur  zu dem
Zweck berechnet wurde,  da Leben darin  entsteht. Es  wurden ja
offensichtlich  von  Kochs  Programm,  das  das   Regelwerk  des
Automaten  erstellt,  die   lebenstragenden  Eigenschaften   der
Zellen  gefrdert...  Ich  habe  es  mir  gerade  berlegt,  die
einfachsten Elemente  sind ja  nicht  nur digitale  Aminosuren,
sondern ganze, funktionsfhige Botenstoffe, Carrier,            
Mitochondrien. Also nicht  wirklich eine  Ursuppe, sondern  eine
hohe Ursuppe,  fast  wie  ein  Baukasten... zur  Simulation  von
Leben." Obwohl  seine  drei  Mitarbeiter bei  diesen  Argumenten
ngstlich  aufschauten,  blieb   Frey  ruhig.  "Sie   vergessen,
Professor", sagte er,  "da der  Ansatz zur  Simulation von  der
anderen   Richtung   kommt.    Man   schaut   sich    vorhandene
Verhaltensweisen und  Eigenschaften an  und baut  sie nach.  Wir
aber geben  die  Grundelemente  dieser  Eigenschaften  vor,  und
lassen  sie   sich  selbst   bauen."   "Vielleicht,  aber   ihre
Grundelemente  haben   bereits   groe   hnlichkeit   mit   den
angestrebten, fertigen Elementen." "Vermutlich  berschtzen sie
die Mglichkeiten  der einzelnen  Zellen. Wenn  sie eine  Ladung
einfacher Logik-ICs ber eine riesige Rasterplatine  kippen, wie
gro ist die Wahrscheinlichkeit, da sie  einen funktionierenden
Computer erhalten  ?  Es  ist  eine wirkliche  Ursuppe  die  wir
haben. Kein  zielstrebiger Baukasten."  Ich  war noch  unsicher,
schrzte die Lippen  und zuckte  mit den  Schultern, sagte  aber
nichts mehr  dazu. Auch  andere, einfachere,  Fragen waren  noch
ungelst.                                                       
                                                       
                                                                
"Es besteht  noch das  Problem der  Fortpflanzung.", sagte  ich,
"Nur wenn es  sich fortpflanzen  kann ist  es ein  Lebewesen und
kein uerst langlebiger Automat,  der nur durch  Einwirkung von
auen weiterwabert." Mermund sagte, und erst  jetzt erkannte ich
an der Aussprache,  da er  ein Skandinavier  sein mute:  "Auch
wir berleben nur  durch Sonneneinwirkung -  von auen.  Und ein
Muli ist auch ein Tier - es kann  sich aber nicht fortpflanzen."
"Ein  Muli  ist  eine  Zchtung",  erwiderte  ich,  "kein  durch
Evolution  entstandenes,  mit  den  Besten  aussortiertes  Tier.
Dieses Tier hier  auf dem  Schirm, wenn es  eines ist,  ist auch
nicht  wirklich  ein  gewachsenes,  sondern,  wenn  schon  keine
Simulation, so  doch eine  Zchtung. Aber  es mu  den Test  der
Fortpflanzung bestehen, sonst  werde ich  es nicht als  lebendig
anerkennen. Bevor ich also weiter entscheide,  werden wir warten
mssen, was mit dem Schwanz geschieht."                         
                                                                
Die vier sahen enttuscht aus, hatten sie sich  doch von mir ein
Urteil ber  den Fleck  erwartet. Aber  sie sahen  ein, da  sie
dieses Urteil  auch  bekommen  wrden,  nur eben  nicht  sofort.
Geduld ist  die grte  Tugend  des Forschers  nach der  Skepsis
erinnerte  ich  sie,  und  erst  jetzt   ihre  eigene  Mdigkeit
erkennend  beschlossen  sie  den  Betrieb  hier   drinnen  etwas
herabzufahren. Frey und  ich wrden  drauen etwas frische  Luft
schnappen; dabei knnten wir auch gleich den  Leuten am Eingang,
deren Geduld wir  jetzt satte  drei Stunden strapaziert  hatten,
wie ich mit  dem Blick auf  meine Uhr entsetzt  feststellte, mit
Hilfe meiner Autoritt klarmachen, da der  geschlossene Zustand
des Gebudes  erhalten  bleiben msse.  Higgs  und Mermund,  der
ununterbrochen  sechs  Stunden  lang  die  Stromversorgung,  die
'Nahrungs'dosierung und den Netzbetrieb berwacht  hatte, legten
sich im Nebenraum  eine Runde schlafen,  dessen Luft  etwas mehr
Sauerstoff, einen  etwas niedrigeren  Lrmpegel,  und eine  sehr
viel  niedrigere  Temperatur  enthielt.  Koch  sollte   auf  die
Computer aufpassen. Zuerst schien es Frey ein  wenig riskant nur
eine Wache zurckzulassen,  aber schlielich  war bereits  diese
nur  berwachungssystem  von  berwachungssystemen.  Koch  hatte
nmlich  einen  Nahrungsverteiler  geschrieben,  der  in  langen
Zeitabstnden grne Zellen in  schwarze legte. So  verlieen wir
also den Raum  und gingen den  gleichen Weg zum  Eingang zurck,
den wir gekommen waren.                                         
                                                                
Homann und die  Meute von Studenten  waren immer noch  dort, und
es war  unglaublich schwierig,  ihnen klarzumachen,  da sie  in
dem Zustand von  Unwissenheit bleiben  muten in  dem sie  jetzt
waren, und da  das Gebude  ebenso in  seinem jetzigen  Zustand
bleiben mute.  Ich  erzhlte  ihnen nochmals  von  Schrdingers
Katze, und  zumindest  die  physikalisch  gebildeten  unter  den
Studenten zogen enttuscht, aber berzeugt, ab.  Wir gingen ber
den Campus und  konzentrierten uns  darauf banalen Smalltalk  zu
fhren um uns zu  zerstreuen. Schlielich kehrte Frey  mit einem
vollen  Tablett  Mittagessen  fr  alle  in   das  Rechenzentrum
zurck, und ich holte  in meinem Bro die  verlorenen 28 Minuten
Schlaf nach, addierte ein Viertelstunde Zinsen,  und kehrte, wie
vereinbart, zurck  ins  Rechenzentrum. Die  Menschentraube  vor
dem Eingang  hatte  sich nicht  wirklich  verkleinert, aber  die
meisten der Zuschauer schienen ausgetauscht worden  zu sein. Ich
konnte ohne Probleme  und alleine  in das Gebude  zurckkehren.
                                                       
                                                                
Drauen hatte ich  kein Wort ber  die merkwrdigen  Vorgnge im
Raum UII.A5/2 verloren, und als ich jetzt  aus der frischen Luft
und dem Sonnenlicht in  den heien, dunklen engen  Raum trat, in
dem ewig Nacht  zu herrschen  schien, kam es  mir vor  als htte
ich hier meine  ganze Kindheit verbracht  und wre  Jahre spter
als Erwachsener  zurckgekehrt. Zu  den brigen  Dingen auf  dem
Tisch hatten  sich die  berreste  des Essens  gesellt, und  Dr.
Frey lag  in der  Ecke unter  der Tafel  und schlief.  Higgs und
Mermund waren noch nicht zurckgekehrt, und so  war nur Koch da,
der  mir  sein  neues  Programm  vorfhrte,  mit  dem  er  einen
verkleinerten  Ausdruck  des  aktuellen  Status   des  Automaten
ausdrucken konnte, und wir so Higgs Zeichenknste  nicht mehr in
Anspruch  nehmen  brauchten.  Die  Qualitt  war   nicht  gerade
berauschend, und ich hatte wie beim ersten  Blick auf den groen
Schirm Probleme, die Gurke auf den Ausdrucken  zu erkennen. Aber
es funktionierte  und  oben  auf  dem  Blatt  stand  die  exakte
Laufzeit und Anzahl der vergangenen Takte.                      
                                                                
                                                                
                                                                
                                                                
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